Im Spätsommer 2010 hatte „Lille Bjørn“ ihren Auftritt im Film „Iris“, der in den 1890er-Jahren auf Åland spielt. Auf der anschließenden Überführung ins Winterlager havarierte das gerade im Frühjahr neu eingebaute Getriebe. Wie sich später herausstellte, war eine verkehrte Ratio geliefert worden.
Die Getriebehavarie war letztendlich der entscheidende Punkt, daß wir begannen, uns mit einer grundlegenden Renovierung des Schiffes zu beschäftigen. Im Laufe der Jahre hatten sich mit Kiel, Spanten und Planken einige Baustellen von größerem Umfang gezeigt. So wurde „Lille Bjørn“ an Land gesetzt und wartete auf eine umfassende Restaurierung von Rumpf und Technik.
Im Frühjahr 2011 entschlossen wir uns dann zu einer bewährten aber heutzutage recht unüblichen Restaurierungsvariante: Der Rumpf soll nachhaltig stabilisiert und für die nächsten Jahrzehnte bei vermindertem Unterhaltsbedarf seetüchtig erhalten werden. GFK? Nein!! Wir ummanteln das Schiff mit Ferrozement – Ferrosheathing wird diese Methode genannt.
Ferrozement – was ist das?
Man kann Boote aus diesem Material bauen: mit Hilfe von Drahtnetz (Verputz- oder „Hühnerdraht“) und einer Struktur aus Metalldraht und Armiereisen schafft man die Matrix, die den Zementputz hält und stabilisiert. Diese Methode war in den 1970ern recht beliebt, vor allem für hochseetaugliche Weltumsegler und Arbeitsschiffe, aber es wurden in der ganzen Welt auch Yachten so gebaut, und: alte Schiffe vor dem Verfall gerettet.
Selbstverständlich wiegt so ein Schiff beträchtlich mehr als eine Leichtbauweise aus Holz oder Kunststoffmaterial, was aber erfahrungsgemäss bei guter Bauweise keinen oder kaum Einfluss auf den Auftrieb und die Segeleigenschaften haben soll.
Wir belasen uns im Internet (recht spärliche Informationen und tote Links) und im Manual „Ferro-Cement Boats“ vom Neuseeländer Colin Brookes und waren optimistisch: da wurden Schiffe gerettet, die viel übler dran waren als unsere Lille Bjørn. Preisgünstig wärs im Vergleich zu anderen Methoden auch, und Beispiele wurden genannt, wo man mit 2 Leuten ein Boot innerhalb von 6 Wochen wieder „seeklar“ instandgesetzt hatte. Das macht Mut…
Das Schiff soll erst austrocknen und „nackig“ gemacht werden
In den nächsten Jahren kamen wir immerhin sporadisch dazu, Rigg und Beschläge abzubauen, Ballast auszuladen, und Backskisten sowie die grosse Ankerwinsch von Deck zu entfernen – denn wir wollen auch das Deck mitzementieren und damit eine optimale Kraftverteilung sowie weitgehende Dichtigkeit erzielen. Nur das Kajütendach mit seinem Skylight darf ganz „holzig“ bleiben, sowie Schanzkleid und Schandeckel. Der Rest des Schiffes wird nun die Schablone!
Während der drei Jahre an Land verlor der Rumpf beachtlcihe 4 Tonnen an Gewicht durch die Austrocknung.
Im Sommer 2014 ist es schließlich soweit: losgeeist von allen Verpflichtungen, Jobs und Urlaubsvorstellungen, nehmen wir uns 2 Monate Zeit ausschließlich für dieses Projekt, das mit dem Zementverguss und der darauffolgenden Aushärtephase abschliessen soll. Der Prozess, seine Arbeitsschritte und unsere Lösungen für offene Fragestellungen, sollen hier in den folgenden Beiträgen dokumentiert werden.
Alle Beiträge der Reihe Ferrosheathing:

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3 Responses to Ferrosheathing (1): Ein neues Schiffsleben mit 118 Jahren